Wie lerne ich mit meinem Kind, wenn es Legasthenie hat?

Praktische Tipps für Eltern

Viele Eltern sind verunsichert, wenn ihr Kind Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat. Legasthenie ist jedoch keine Frage der Intelligenz. Kinder mit Legasthenie sind oft sehr kreativ, neugierig und intelligent – sie lernen Sprache nur auf eine andere Weise.

Mit Geduld, Struktur und den richtigen Lernmethoden können Eltern ihr Kind sehr gut unterstützen.


Was ist Legasthenie?

Legasthenie ist eine Lese- und Rechtschreibstörung, bei der Kinder Probleme haben:

  • Buchstaben zu erkennen
  • Wörter richtig zu schreiben
  • Texte flüssig zu lesen
  • Laute und Buchstaben zu verbinden

Das bedeutet nicht, dass das Kind nicht lernen kann. Es bedeutet nur, dass das Lernen anders organisiert werden muss.


1. Geduld und Verständnis zeigen

Kinder mit Legasthenie erleben häufig Frustration in der Schule. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Eltern Geduldig und unterstützend sind.

Vermeiden Sie Sätze wie:

  • „Das ist doch einfach!“
  • „Du musst dich nur mehr anstrengen.“

Besser ist:

  • „Wir schaffen das gemeinsam.“
  • „Du lernst Schritt für Schritt.“

Eine positive Atmosphäre hilft Kindern enorm beim Lernen.


2. In kleinen Schritten lernen

Kinder mit Legasthenie profitieren von kleinen, klar strukturierten Lernschritten.

Zum Beispiel:

statt einen ganzen Text zu lesen → nur ein Absatz

statt viele Wörter zu schreiben → 3–5 Wörter

So kann das Kind Erfolg erleben und bleibt motiviert.


3. Multisensorisches Lernen nutzen

Das Gehirn lernt besser, wenn mehrere Sinne gleichzeitig aktiv sind.

Beispiele:

  • Wörter laut lesen
  • Buchstaben mit dem Finger nachfahren
  • Wörter mit bunten Karten lernen
  • Buchstaben in Sand oder Knete schreiben

Diese Methoden helfen, Sprache besser zu verankern.


4. Regelmäßige kurze Lernzeiten

Kinder können sich nur begrenzt konzentrieren.

Empfohlen wird:

20–25 Minuten lernen
5–10 Minuten Pause

Kurze, regelmäßige Einheiten sind effektiver als lange Lernphasen.


5. Lesen gemeinsam üben

Gemeinsames Lesen kann sehr hilfreich sein.

Möglichkeiten:

  • Eltern lesen einen Satz, das Kind liest den nächsten
  • gemeinsam laut lesen
  • Texte mit Bildern verwenden

Das Ziel ist nicht Geschwindigkeit, sondern Verständnis und Sicherheit.


6. Positive Rückmeldung geben

Kinder mit Legasthenie hören oft Kritik.

Deshalb ist Lob besonders wichtig.

Zum Beispiel:

  • „Du hast das Wort richtig geschrieben.“
  • „Du hast dich sehr bemüht.“

Erfolg motiviert Kinder weiterzulernen.


7. Druck reduzieren

Zu viel Druck kann das Lernen blockieren.

Wichtig ist:

  • realistische Erwartungen
  • ausreichend Pausen
  • kein Vergleich mit anderen Kindern

Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo.


8. Zusammenarbeit mit der Schule

Es ist sehr hilfreich, wenn Eltern und Lehrer zusammenarbeiten.

Sprechen Sie mit den Lehrern über:

  • Lernstrategien
  • zusätzliche Unterstützung
  • mögliche Nachteilsausgleiche

Gemeinsam lässt sich das Kind besser fördern.


9. Professionelle Unterstützung

In vielen Fällen hilft gezieltes Legasthenie-Training.

Dabei werden spezielle Übungen eingesetzt, um:

  • die phonologische Wahrnehmung zu stärken
  • Lesen zu verbessern
  • Rechtschreibung zu trainieren
  • Lernstrategien zu entwickeln

Eine individuelle Förderung kann das Lernen deutlich erleichtern.


10. Selbstvertrauen stärken

Das wichtigste Ziel ist nicht nur bessere Noten, sondern ein starkes Selbstvertrauen.

Kinder sollten wissen:

  • „Ich kann lernen.“
  • „Ich habe Stärken.“
  • „Meine Schwierigkeiten definieren mich nicht.“

Mit Unterstützung entwickeln Kinder neue Strategien und lernen erfolgreich.


Fazit

Legasthenie ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance, neue Lernwege zu entdecken.

Mit:

  • Geduld
  • Struktur
  • positiven Erfahrungen
  • professioneller Unterstützung

können Kinder ihre Fähigkeiten entwickeln und erfolgreich lernen.


Gedanke zum Schluss

„Jedes Kind kann lernen – manchmal braucht es nur einen anderen Weg.“


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